The Times They Are A-Changin’ – Länderspezifische Änderungen für den automatischen Datenaustausch (AEoI)

Eine der wesentlichsten Herausforderungen für internationale Bankengruppen im Zusammenhang mit dem automatischen Datenaustausch ist die enorme Vielfalt länderspezifischer Anforderungen, welche von den beiden Standards FATCA und CRS zum Teil deutlich abweichen oder über diese hinausgehen. Zu allem Überdruss haben zahlreiche Länder nun damit begonnen, ihre Vorschriften für das kommende Reportingjahr anzupassen, wodurch zusätzlicher Änderungsbedarf entsteht.

Come gather around people, wherever you roam…

Zahlreiche Länder, welche am Datenaustausch mittels des Common Reporting Standards (CRS) teilnehmen bzw. ein Intergovernmental Agreement (IGA) 1 im Rahmen von FATCA abgeschlossen haben, haben sich dazu entschieden, den Finanzinstituten mehr oder minder gravierende Änderungen zu den beiden Standards vorzuschreiben. Das zu Grunde liegende Problem besteht darin, dass die Standards selbst zwar für den Austausch zwischen den Behörden gelten, diese aber die Kommunikation zu den Finanzinstituten selbst gestalten können.

Die Gründe dafür sind durchaus vielfältig: In manchen Ländern wollte man offensichtlich bestehende Kommunikationskanäle zwischen Finanzinstituten und Behörden wiederverwenden und hat daher bereits bestehende Schemata und Formate vorgeschrieben. In anderen Ländern wiederum werden zwar mehr oder minder die Standards verwendet, allerdings angereichert um einige zusätzliche Felder oder speziellen Vorschriften, wie der Standard befüllt werden muss. Häufige Beispiele hierfür sind, dass optionale Felder der Standards in gewissen Ländern verpflichtend zu melden sind oder im Gegenteil nicht befüllt werden dürfen oder die Referenzen auf eine ganz bestimmte Weise gebildet werden müssen. Darüber hinaus wurde in einigen Ländern die Gelegenheit dazu genutzt, den Instituten zusätzliche Daten abzuverlangen, welche für den eigentlichen Austausch gar keine Relevanz haben.

Die Spanne reicht von geringfügigen Änderungen zu den Standards (z.B. Österreich, Deutschland) bis hin zu völlig anders gestalteten XML-Schemata (z.B. Großbritannien, Indien) oder gar anderen Formaten (z.B. Vereinigte Arabische Emirate (CSV), Südafrika (PSV)). Manche Länder verwenden für CRS und FATCA das gleiche Schema und verlangen eine gemeinsame Meldung, in anderen Ländern ist eine getrennte Meldung entweder verpflichtend oder zumindest erlaubt. Weitere Anforderungen ergeben sich zum Teil aus landesspezifischen Vorschriften zur Teilung der Meldedateien nach Dateigröße oder Zielländern (z.B. Österreich), abweichenden Meldeperioden (z.B. Neuseeland) und anderen Besonderheiten.

Für ein Finanzinstitut, welches nur an eine einzige Behörde meldepflichtig ist, handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Problem, die Vorschriften dieses Landes einzuhalten. Gerade für international tätige Bankengruppen stellt es aber eine enorme Herausforderung dar, wenn in jedem Land andere Vorschriften gelten, welche Daten in welcher Form zu melden sind.

…and admit that the waters around you have grown…

Im Jahr 2017 waren 49 Länder am CRS-Datenaustausch beteiligt, wobei mehr als die Hälfte davon abweichende Anforderungen irgendeiner Form an die Institute ihrer Länder stellen. Weitere 53 Länder werden ab 2018 am Datenaustausch teilnehmen. Bereits jetzt zeigt sich, dass erneut mehrere Länder eigene Vorschriften erlassen haben oder erlassen werden, es kann daher davon ausgegangen werden, dass auch in dieser „second wave“ nur etwa die Hälfte der Länder ohne zusätzliche oder geänderte Anforderungen auskommen wird. Das deckt sich auch in etwa mit den Erfahrungen aus FATCA.

Insgesamt werden also ca. 50 teilnehmende Länder abweichende Schemata oder andere Besonderheiten aufweisen, welche es zu beachten gilt. Interessanter Weise sind das vor allem die wirtschaftlich starken Länder, in welchen Finanzinstitute besonders häufig tätig sind. Für mittlere bis größere Bankengruppen ist es daher durchaus realistisch, wenn zwischen 10 und 40 unterschiedliche Länder besonders beachtet werden müssen. Es soll hier auch nicht vergessen werden, dass damit erst die „halbe“ Welt am CRS teilnimmt. Über kurz oder lang werden wohl fast alle der mehr als 200 Jurisdiktionen teilnehmen und auch wenn es sich dabei teilweise um wirtschaftlich weniger bedeutende Länder handelt, so ist doch klar, dass sich das Problem damit noch verschärfen wird.

Erschwerend kommt gerade für größere Finanzinstitute hinzu, dass durch die steigende Anzahl der Teilnehmerländer auch das Datenvolumen stark steigt, welches gemeldet werden muss. Je nach regionaler Verbreitung ist ein Anstieg um das 10-fache durchaus realistisch. Dadurch werden manuelle oder semi-manuelle Prozesse zunehmend unmöglich oder jedenfalls aufwands- und damit kostenintensiv. Auf die grundlegenden Probleme manueller Prozesse soll hier gar nicht weiter eingegangen werden.

Als wäre das alles nicht genug, haben nun die ersten Länder damit begonnen, ihre bisher geltenden Vorschriften für die Meldung im Jahr 2018 zu überarbeiten. Die Finanzinstitute sind dadurch nicht nur gezwungen, die Anforderungen der neuen Teilnehmerländer zu erfüllen, sondern müssen auch die geänderten Spezifika der „alten“ Teilnehmerländer berücksichtigen. Man kann wohl davon ausgehen, dass diese Phase der Instabilität auch in den nächsten Jahren noch anhalten wird.

…and accept it that soon you’ll be drenched to the bone.

Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Behörden der diversen Länder ihre Anforderungen häufig sehr spät publizieren. Wenn man als internationale Bankengruppe kurzfristig für viele Länder gleichzeitig diese Änderungen vornehmen muss, dann ist das eine große Herausforderung. Zunächst muss man sich dessen bewusst sein, dass diese Neuerungen und Änderungen kommen werden. Da ein Nicht-Beachten der regulatorischen Verpflichtungen keine Option ist, führt daran auch kein Weg vorbei. Wenn die oben angeführte Songtext-Zeile vermieden werden soll, so muss also rechtzeitig vorgesorgt und geplant werden, dass alle bereits bekannten Regularien so früh als möglich implementiert und getestet werden und gleichzeitig Puffer für kurzfristige Änderungen vorhanden ist.

Oder man verfügt über eine flexible Standard-Software mit, welcher diese Anforderungen abgedeckt werden können.

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