Wrap-up des 4. Annual Post Trade Forum: Kapitalmärkte, Verordnungen und neue Technologien.

Fast genau 10 Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise durch die Insolvenz der Lehman Brothers fand das Annual Post Trade Forum – welches bereits zum 4. Mal über die Bühne ging – in Berlin statt. Vom 13.-14. September 2018 trafen sich rund 80 Fachleute aus der Wertpapierdienstleistungsbranche und von den Finanzmarktaufsichtsbehörden aus ganz Europa in der ansprechenden Atmosphäre des Crown Plazas, um eine umfassende Liste aktueller Themen zu diskutieren. Wir haben uns als Sponsor und Teilnehmer an der Veranstaltung beteiligt.

Und so geht es weiter… Kapitalmarktverordnungen, Auswirkungen und Barrieren

In der Eröffnungssession informierte Genni Caratozzolo von der Europäischen Kommission umfassed über die jüngsten Entwicklungen im Bereich der EU-Verordnungen.

Ein entscheidender Punkt für die EU-Kommission ist die Frage, ob eine Verordnung wirklich ihren Zweck erfüllt. Deshalb werden Analysen wie EMIR REFIT durchgeführt, und weitere werden folgen. Es wird erwartet, dass die Fortschritte bei den laufenden Initiativen dazu beitragen werden, die von EPTF (European Post Trade Forum) festgestellten Hindernisse zu beseitigen. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte erzielt, dennoch gibt es immer noch eine sehr volle regulatorische EU-Agenda, um die verbleibenden Hindernisse zu überwinden und neue Herausforderungen für die Zukunft in Angriff zu nehmen.

Dies war ein guter Ausgangspunkt für weitere Diskussionen über diese Fortschritte und die Erwartungen des Marktes, die von Werner Frey von AFME eingeleitet wurden, welcher die Ergebnisse des EPTF-Berichts 2017 mit dem aktuellen Verordnungsstatus verglich. Wie seither bekannt, stellte der EPTF-Bericht fest, dass 3 der Giovannini-Nachhandelsschranken beseitigt wurden, 8 teilweise und 4 gar nicht beseitigt wurden. Zusätzlich wurden in dem Bericht einige neue Hindernisse und Engpässe identifiziert. Kritisiert wurde, dass die verbleibenden Barrieren rechtliche und steuerliche Themen sind, für die die Öffentlichkeit und nicht der Finanzsektor verantwortlich ist.

Die geschätzten Kosten für die Rückforderung der Quellensteuer in der Höhe von EUR 8,4 Mrd. pro Jahr in Europa und das Fehlen einer gemeinsamen Definition von „Aktionär“ wurden als eines der aktuellen Themen hervorgehoben. Ein leicht beunruhigender O-Ton war „Die nächste Finanzkrise wird durch Posttrade verursacht.“

 

SFTR-Reporting

SFTR, gemeinsam mit CSDR, war das aktuellste Thema in diesem Forum. Die wichtigste Information zu Beginn: Es ist noch nicht klar, wann das Inkrafttreten stattfinden wird. Die EU-Kommission arbeitet noch an einer Aktualisierung der Verordnung, welche für Oktober 2018 erwartet wird. Angenommen dies ist der Stichtag, wird für das erste Quartal 2020 für Banken und Wertpapierfirmen das Inkrafttreten erwartet.

Erwartete Auswirkungen der SFTR sind die Erhöhung der Transparenz von SFTs und damit die Minderung des systematischen Risikos sowie die Art und Weise, wie Repo-Geschäfte heute verarbeitet werden. Das bedeutet einen deutlich höheren Grad hinsichtlich Automatisierung, elektronischem Handel und standardisierten Prozessen

Obwohl es viele Überschneidungen mit dem EMIR-Reporting gibt, warten noch viele Herausforderungen für die Umsetzung von SFTR:

  • Granulare Datenanforderungen
  • Strenge LEI und UTI-Anforderungen
  • Komplexität der Transaktionen, die sich aus ihren individuellen Besonderheiten ergeben
  • Fragmentierung von Informationsquellen
  • Beidseitige Meldepflicht
  • Globale Reichweite und multi-institutionelle Wirkung
  • Die Inter- und Intra-Trade Repository (TR)-Abstimmung

In diesem Zusammenhang interessant und für den Download bereit: ICMA hat den „Guide to Best Practice in the European Repo Market“ veröffentlicht.

 

CSDR und die Auswirkungen

CSDR war das zentrale Thema von zwei Präsentationen und einer Podiumsdiskussion. Es wird erwartet, dass die CSDR zu mehr Wettbewerb und Konsolidierung führen wird, und T2S wird als wichtigste Triebfeder angesehen. Zur Erinnerung: CSDR ist nicht nur für CSDs relevant, sondern alle Kunden jeder europäischen CSD werden von der Dematerialisierung, der Harmonisierung der Abrechnungsperioden, der Abrechnungsdisziplin und der Reporting über interne Abrechnungen betroffen sein. Generell wird CSDR als eine gute Sache angesehen, die einige Zeit in Anspruch nehmen wird, und manche Fragen werden wahrscheinlich später beantwortet: Werden die CSD Monopole „Monopole“ bleiben und werden einige der gute funktionierenden Marktspezifika beibehalten? Darüber hinaus stellte sich die Frage, wie man in Zukunft mit Kryptowährungen umgeht. Ist die Kryptowährung Bargeld, ein Wertpapier, ein Fonds oder eine Ware? Kann die Kryptowährung als CeBM (Zentralbankgeld) oder CoBM (Geschäftsbankgeld) behandelt werden? Wir werden sehen. In 5-10 Jahren wird eine deutlich höhere Effizienz durch Technologie und T+1 erwartet.

 

Was sonst…T2S und MiFID II-Transaktionsreporting

Neben SFTR und CSDR wurden bei der Umsetzung des MiFID II-Transaktionsreporting gewonnene Erkenntnisse von Nordea Investment dargelegt, die den Weg über ARM (Approved Reporting Mechanism) gegangen ist.

Ihre größte Herausforderung war die Qualität der statischen Daten (da es keine Garantie dafür gibt, dass die Daten korrekt sind), die aus mehreren Quellen stammen. Jetzt versetzt das MiFID II-Transaktionsreporting Nordea in die Lage die Qualität ihrer Daten zu erhöhen, was derzeit zu einer fast 100%igen Bestätigung der Transaktionsreports durch die NCA führt.

Welche Auswirkungen hat das Transaktionsreporting von Transaktionen auf Nordea? Erstens wird Nordea das Geschäft zwingen, dass alle Transaktionen über OTFs laufen, was die Effizienz verbessern wird. Zweitens erkennen sie die Notwendigkeit, „alles zu dokumentieren“, und drittens werden sie das Transaktionsreporting als internes Instrument nutzen, um Marktmissbrauch zu erkennen und zu vermeiden.

Ein weiteres Thema war die Zukunft von T2S. Kurz gesagt, war eine der Kernaussagen, dass die Posttrade-Kosten für die nächsten Jahre aus folgenden Gründen hoch bleiben können:

  • T2S erhöhte den DVP-Preis auf 23,5 Eurocent.
  • Infrastrukturen haben die Gebührenmodelle vor T2S verändert.
  • Die Erwartungen an das Volumenwachstum können auf Grund des erhöhten CCP-Netting und der erwarteten zukünftigen europäischen Wirtschaftswachstumsraten nicht erfüllt werden.
  • Weitere Kostentreiber sind die laufenden Harmonisierungsaktivitäten, neue regulatorische Anforderungen (CSDR etc.) und praktische Erfahrungen mit T2S-Märkten.

Außerdem wurde festgestellt, dass der volle Nutzen von T2S erst nach der Beseitigung der EPTF-Barrieren sichtbar wird.

 

Technologische Innovationen treiben neue Geschäftsmodelle voran

Es gibt heutzutage kein Posttrade-Event mehr, das ohne Sessions zu neuen Technologien auskommt. Dieses Mal waren die Schwerpunkte maschinelles Lernen, Digitalisierung sowie Kundendienstleistungen und damit einhergehende Herausforderungen für FinTechs. Es ist bei derartigen Themen zweifellos ein großer Vorteil für die Vortragenden, wenn sie originellere, buntere und spannendere Folien präsentieren können als ihre Vorredner bei regulatorischen Themen (das soll keine Kritik darstellen, sondern ich würde dies als natürlichen Vorteil bezeichnen).

Auf Grund der Absage eines Redners ist Chairman Philippe de Brossard mit einer gelungenen Präsentation zur Digitalisierung in Banken eingesprungen. Er vertritt die Meinung, dass Banken zum Zweck der Digitalisierung sowohl an digitalen Prozessen als auch an digitalen Plattformen arbeiten sollten. Ein datengestützter Ansatz ist wesentlich für das Angebot neuer hochwertiger Dienstleistungen für die Kunden, jedoch werden Daten heutzutage nach wie vor in verschiedenen Bankensystemen verteilt. Der Fokus muss bei all diesen Transformationsprozessen darauf gerichtet sein, die Bedürnisse der Kunden zu verstehen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Veränderung von internen Prozessen stattfindet, bevor man dem Kunden neue Dienstleistungen anbietet. Dies verlangt wiederum nach einer neuen unternehmerischen, partnerschaftlichen und innovativen Firmenkultur.

Eine andere Session widmete sich den Herausforderungen, vor die FinTechs größere Organisationen stellen. Die wichtigste Botschaft in diesem Zusammenhang: es gibt nur eine Lösung – eine Bank muss mit der Vision eines offenen, vollautomatisierten, flexiblen und skalierbaren Back Office-Betriebs investieren, bei der die Transparenz von Prozessen und der Durchführung vollständig kontrollierbar ist. Um gegenüber von FinTechs bestehen zu können, stehen Banken drei wesentliche operative Hebel zur Verfügung: System, Partnerschaften und Leadership. Die Empfehlung in diesem Zusammenhang: in die Kernsysteme und die Mitarbeiter investieren und vor Partnerschaften nicht zurückschrecken.

Eine interessante Randnotiz: „Das neue Front Office ist das Back Office, das Produkte zur Verfügung stellt“.

Im Hinblick auf maschinelles Lernen wurden zwei Risiken/Hindernisse zur Sprache gebracht: die Verwendung von internen Daten auf Grund der DSGVO und das erhöhte Risiko eines Cyberangriffs.

 

Wie geht SDS mit diesen Themen um?

Unsere Wertpapierabwicklungsplattform GEOS erfüllt stets die aktuellen regulatorischen Anforderungen. Wir haben uns bereits mit dem Thema MiFID II-Transaktionsreporting für unsere Kunden beschäftigt und arbeiten gegenwärtig an einer guten Lösung für SFTR und CSDR-Reporting. Die erfolgreiche Implementierung von T2S liegt hinter uns. Unsere Kunden, die die Lösungen von SDS einsetzen, sind in der täglichen Praxis damit äußerst zufrieden.

Wir sind kontinuierlich damit beschäftigt, unsere bestehende Produkt-Suite zu verbessern, neue Produkte zu erforschen und an neuen Technologie- und Partnerschaftsmodellen zu arbeiten, um kommenden Möglichkeiten für uns und unsere Kunden Rechnung zu tragen.

 

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